Spätklassizistische Stadtplanung

Eine Zäsur für die städtebauliche Entwicklung der damals aufstrebenden Weltspielzeugstadt Sonneberg war der Stadtbrand vom 27. August 1840 zweifellos. Allerdings wurde die „architektonischen Weichen“ noch einige Jahre früher gestellt, denn eine systematische Erweiterung der Stadt stand seit 1830 auf der Tagesordnung. 1835 ließen Angehörige der Familie Lindner, die Verlagsunternehmen vorstanden, 1830/35 außerhalb des damals bebauten Stadtgebiets Villen errichten. Diese Lindnerschen Villen in der heutigen Coburger Straße wurden 1836 zu Fixpunkten einer Erweiterungsplanung. Landbaumeister Adolf Döbner konzipierte den Grundriss des „neuen“ Sonneberg nach den städtebaulichen Idealen des Spätklassizismus als regelmäßiges Raster rechtwinklig aufeinander treffender Straßenzüge. Auch wenn die Döbnersche Planung damals nur die unmittelbar angrenzenden Teile der Coburger, Bahnhofs-, Bernhard-, Marien- und Köppelsdorfer Straße umfasste, hat sie für die Stadtplanung die bis heute tragenden Strukturen definiert. Unabhängig von späteren Veränderungen erschließen Bahnhofs-, Bernhard- und Köppelsdorfer Straße mit den rechtwinklig abzweigenden Nebenstraßen den größten Teil der mittleren und unteren Stadt und die Weiterführung der Bahnhofstraße über eine Eisenbahnbrücke in den Stadtteil Wolkenrasen (1997-99) folgt letztlich dem Grundkonzept aus dem Jahr 1836. Abweichungen vom Döbnerschen Plan zeigen sich lediglich im Umfeld der 1843-45 errichteten Stadtkirche St. Peter, im Bereich der Cuno-Hoffmeister-Straße und zwischen Köppelsdorfer Straße und Bahnhofsplatz, wo teilweise auf bedeutende Bauwerke (Stadtkirche) oder eine bestehende Infrastruktur (ältere Straßenzügen, Eisenbahnlinie) Rücksicht genommen werden musste. Der Unterschied zwischen den dem originär biedermeierlich-spätklassizistisch und den erst im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach 1870 bebauten Straßenzügen lässt sich heute abgesehen von einzelnen Fassaden nur noch an der Stellung der Häuserfronten zur Straße ablesen. Während die bis Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Bebauung noch ganz in biedermerlicher Tradition vorgelagerte Gärten vorsah (zu sehen noch in der Coburger Straße), stehen die später errichteten Hausfronten unmittelbar am Bürgersteig.