Planwirtschaft und industrielles Bauen

Über die vor dem Zweiten Weltkrieg gesetzten städtebaulichen Prämissen ging nach 1945 die Stadtplanung zunächst kaum hinaus. Jedoch bedeutete die Erschließung eines Wohngebietes südlich der Innenstadt im Flurteil Wolkenrasen zwischen 1953 und 1982 eine deutliche Erweiterung der Bebauung. Allerdings konnte dieses vom Büro Herbert Schmidt aus Suhl konzipierte neue Wohngebiet über Jahrzehnte nur unzureichend mit der bestehenden Bebauung verbunden werden, obwohl die Bert-Brecht-Straße als Verlängerung der Bahnhofstraße konzipiert war. Für eine Überbrückung der Eisenbahnlinie bestanden zwar Planungen, die jedoch einerseits wegen fehlender Ressourcen nicht realisiert werden konnte und andererseits wegen der Nähe der innerdeutschen Grenze nach 1961 nicht mehr gewollt war.

Bis in die Mitte der 1950er Jahre hinein kennzeichneten Formen des Neuklassizismus – konkret der sogenannte „Stil der nationalen Tradition“ – die Architektursprache. Beispiele dafür sind die in Massivbauweise errichteten Wohnblocks in der Friesenstraße und der Bert-Brecht-Straße sowie die Innenraumgestaltung des Schlossberggebäudes. An Stelle dieser Formen trat in den 1960er Jahren das normierte industrielle Bauten mit vorgefertigten Betonfertigteilen nicht nur im Neubaugebiet Wolkenrasen [Abb. 1], sondern auch bei repräsentativen öffentlichen Gebäuden wie dem 1961-65 errichteten Verwaltungsgebäude des Rat des Kreises, heute Landratsamt (Bahnhofstraße 66) [Abb. 2]. Dieses Gebäude gehörte für längere Zeit auch zu den letzten größeren Bauvorhaben in der Sonneberger Innenstadt, die besonders ab den 1970er Jahren deutliche Spuren des baulichen Verfalls zeigte. Die in der Innenstadt überkommene Gemengelage war weitgehend belassen und die Gewerbebebauung zum Teil noch verdichtet worden. Lediglich in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurden Konzepte für eine Sanierung der Bahnhofstraße entwickelt, die jedoch vor der politischen Wende 1989/90 nicht mehr zum Tragen kam.