Herausforderungen der Gegenwart

Nach 1990 standen gleichermaßen die Aufgaben einer grundlegenden Sanierung großer Teile der innenstädtischen Bausubstanz wie die Lösung grundsätzlicher städtebaulicher Probleme wie die innerstädtische Verkehrserschließung und der Verbindung des Stadtteils Wolkenrasen mit der Innenstadt. Beide letztgenannten Aufgaben wurden durch die Verlängerung der Ernst-Moritz-Arndt-Straße nach Osten als Innenstadttangente und die den Bau einer Fußgängerbrücke [Abb. 1], die den Stadtteil Wolkenrasen mit der Innenstadt verband (1996-98). Mit dem Abbruch des Piko-Komplexes und der Neubebauung des Pikoplatzes [Abb. 2] konnte zudem in der Mitte der Innenstadt ein zentraler Platz geschaffen werden, der räumlich auch in der Nähe eines funktionalen Zentrums rückte. Zu den städtebaulichen Aufgaben gehörten seit zwei Jahrzehnten auch die bauliche Sanierung in der Innenstadt sowie der Altstadt. Dabei mussten sowohl die Anforderungen moderner Ansprüche wie einer modernen Denkmalpflege Berücksichtigung finden. Trotz kontroverser Diskussionen sind diese Probleme weitgehend gelöst. Dabei gelang es ein einerseits die überkommene Bausubstanz zu modernisieren wie zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude wie das alte Rathaus vor dem Verfall zu retten.

Besonders die Fassaden mit historistischen, Jugendstil- und Art-déco-Formen erweisen sich als kompatibel mit einer zeitgemäßen Ästhetik. Jüngste städtebauliche Herausforderung ist der demografische Wandel. Ein beachtlicher Bevölkerungsverlust, aber auch eine Verlagerung der Gewerbebauung an die Peripherie der Stadt erfordert einen Stadtumbau größeren Umfangs. In der Innenstadt wurden deshalb größere Räume entkernt und städtebaulich neu geordnet, dabei auch im Sinne einer lebenswerten Stadt aufgewertet. Im Stadtteil Wolkenrasen werden große Teile der Wohnbebauung zurückgebaut bzw. saniert. Der Bau eines multifunktionellen Stadtteilzentrums (2009) soll diesen Stadtteil auch funktional stärken.

Zu den bedeutenden Neubauten der Zeit nach 1990 gehören die Hauptfiliale der Sparkasse Sonneberg (1994) [Abb. 3], der Funktionsbau des Stadtarchivs hinter dem neuen Rathaus (1996/97), die Einzelhandelskomplexe Müller-Drogerie und NKD-Center in der Bahnhofstraße, der Neubau des Amtsgerichts in der Unteren Marktstraße 2 (2003) und die Verwaltungsgebäude am Pikoplatz. Die größeren Neubauten werden durch zeitgemäße Formen der Postmoderne bestimmt. Besonders deutlich wird dies an den Glasfronten der Sparkassen-Hauptfiliale. Allerdings heben sich von eher uniformen, austauschbaren Fassaden immer wieder architektonische Lösungen ab, die die überkommenen Fassadengestaltungen der Innenstadt aufgreifen. So zitiert der Amtsgerichtneubau ebenso die Klinkerfassade des Altbaues von 1891/92 wie eine Wohnbebauung in der Marienstraße/Juttastraße die Klinkerfassaden der Umgebung weiterführt. Auch die Bebauung des Pikoplatzes wiederholen mit ockerfarbenen Fassaden ähnliche Fassadenfarben in der Nachbarschaft.